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Die personenbedingte Kündigung
Bei den Kündigungsgründen wird zwischen personenbedingten, verhaltensbedingten, und betriebsbedingten Gründen unterschieden.
Eine personenbedingte Kündigung kommt insbesondere bei Krankheit des Arbeitnehmers in Betracht. Weitere
Kündigungsgründe sind z.B. die fehlende Eignung bzw. Befähigung des Arbeitnehmers, ausländischer Wehrdienst von mehr als zwei Monaten, die fehlende Arbeitserlaubnis, die Verbüßung einer
Freiheitsstrafe. Im Folgenden werden die krankheitsbedingten Gründe beschrieben. Dabei unterscheidet man zwischen lang anhaltender Krankheit, häufigen Kurzerkrankungen, dauernder Arbeitsunfähigkeit und Leistungs- minderung.
Die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit rechtfertigt grundsätzlich nur eine ordentliche
personenbedingte Kündigung.
Das Bundesarbeitsgericht überprüft eine krankheitsbedingte Kündigung in drei Stufen:
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Es muss eine negative Prognose hinsichtlich des Gesundheitszustandes gegeben sein.
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Die betrieblichen Interessen müssen erheblich beeinträchtigt sein (Störungen im
Betriebsablauf oder wirtschaftliche Belastungen).
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Interessenabwägung: Die erheblichen Beeinträchtigungen müssen zu einer nicht mehr
hinzunehmenden Belastung des Arbeitgebers führen.
Die Grundsätze des betrieblichen Eingliederungsmanagements gemäß § 84 Absatz 2 Satz 1 SGB IX zur
Überwindung der Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers sind vom Arbeitgeber auch vor dem Ausspruch einer krankheitsbedingten Kündigung zu beachten. Zwar stellen diese keine formelle
Wirksamkeitsvoraussetzung für eine personenbedingte Kündigung dar. Jedoch sind die Grundsätze Ausdruck des im Kündigungsrecht geltenden Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes. Daraus folgt eine verstärkte
Darlegungs- und Beweislast für den Arbeitgeber. Er kann sich nicht pauschal darauf berufen, dass ihm keine alternativen, der Erkrankung angemessenen Einsatz- möglichkeiten bekannt seien (vgl.
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12. Juli 2007 - 2 AZR 716/06 -).
Lang anhaltende Krankheit
Ist der Arbeitnehmer bereits längere Zeit krank und ist im Zeitpunkt der Kündigung die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit noch völlig ungewiss, kann diese Ungewissheit zu einer erheblichen Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen führen.
Nach der Rechtsprechung des BAG kann eine lang anhaltende Krankheit die personenbedingte Kündigung des
Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber ohne Rücksicht auf darüber hinausgehende wirtschaftliche Belastungen bereits dann sozial rechtfertigen, wenn bei der Kündigung die Wiederherstellung der
Arbeitsfähigkeit ungewiss ist und die Krankheit bereits über eines längeren Zeitraum angedauert hat. Eine solche Ungewissheit soll dann einer feststehenden dauernden Arbeitsunfähigkeit gleichstehen.
In dem vom BAG entschiedenen Fall dauerte die Krankheit bereits seit 1 1/2 Jahren an.
In einem weiteren Fall entschied das BAG, dass eine Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit dann
ungewiss ist, wenn die Wiederherstellung nicht in einem absehbaren Zeitraum erfolgen kann. Unter einem absehbaren Zeitraum versteht das BAG einen Zeitraum von 24 Monaten.
Zu beachten ist bei solchen Fällen, dass die Interessenabwägung bei langer Dauer des
Arbeitsverhältnisses und hohem Alter des Arbeitnehmers möglicherweise wegen besonders hoher Schutzbedürftigkeit zugunsten des Arbeitnehmers ausfallen könnte.
Häufige Kurzerkrankungen
Vor Gericht wird bei einer personenbedingten Kündigung wegen häufiger Kurzerkrankungen heftig darum
gestritten, ob der Arbeitgeber die zur Kündigung erforderliche negative Prognose anstellen konnte. Dazu gibt es keinen gesicherten Erfahrungssatz: Häufige Kurzerkrankungen in der Vergangenheit müssen
sich nicht unbedingt in der Zukunft wiederholen. Deshalb müssen zusätzliche objektive Tatsachen vorliegen, die eine negative Prognose rechtfertigen. Der Arbeitgeber muss sich sorgfältig über den
voraussichtlichen Krankheitsverlauf in der Zukunft unterrichten, bevor er wegen häufiger Kurzerkrankungen eine personenbedingte Kündigung ausspricht. Er hat also vor Ausspruch einer personenbedingten
Kündigung hinsichtlich der Wiederholungsgefahr eine Prognose zu treffen.
Bei häufigen Kurzerkrankungen rechtfertigen Fehlzeiten unterhalb einer Krankheitsquote von 12 bis 14%
pro Jahr in der Regel noch nicht eine Kündigung. Fehlzeiten in der Vergangenheit lassen nur dann eine negative Prognose zu, wenn der Beobachtungszeitraum sich auf ca. drei Jahre erstreckt.
Dauernde Arbeitsunfähigkeit
Ist der Arbeitnehmer aufgrund einer Erkrankung auf Dauer nicht mehr in der Lage, seine Arbeitsleistung
zu erbringen, braucht der Arbeitgeber eine darüber hinausgehende erhebliche Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen nicht mehr darzulegen!
Nach der Auffassung des BAG ist ein Arbeitsverhältnis, bei dem feststeht, dass der Arbeitnehmer in
Zukunft die geschuldete Arbeitsleistung überhaupt nicht mehr erbringen kann, schon aus diesem Grunde erheblich gestört. Die unzumutbare betriebliche Beeinträchtigung besteht in diesem Fall darin,
dass der Arbeitgeber mit einem dauernden Ausfall des Arbeitnehmers rechnen muss.
Krankheitsbedingte Leistungsminderung
Auch die krankheitsbedingte Minderung der Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers kann eine Kündigung
rechtfertigen, wenn sie zu einer erheblichen Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen führt. Es führt jedoch nicht jede geringfügige Minderleistung zu einer erheblichen Beeinträchtigung der
betrieblichen Interessen. Bei der Interessenabwägung ist genau zu prüfen, ob die erhebliche Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen vom Arbeitgeber billigerweise nicht mehr hingenommen werden
muss.
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